Verein zur Förderung Multimedialer Bühnenkunst

von Wolfgang Hermann

Ein Wort über den Meister des Verwandelns

Wenn aus einem kleinen Pinselstrich ein Mönch im Meditationssitz, eine Wüstenpflanze, ein Einbaum mit einem einsamen Ruderer wird, dann müssen wir uns in einer Performance von Roman Scheidl befinden. Die scheinbare Mühelosigkeit, mit der der Maler auf seinem Projektor seine Motive ineinander übergehen lässt – begleitet von einer Schauspielerin, einer Tänzerin oder einem Flötenspieler -, diese Mühelosigkeit ist es, die den Betrachter in Bann schlägt. Nicht nur dies: Was den Zuseher so sehr verblüfft ist, dass er Zeuge wird beim Entstehen von feinem, filigranen Material, einem Hauch, einem Schleier von Illusion, der sich, wenn das Licht angeht, in Nichts auflösen wird. Ja, Roman Scheidl scheint die Verschwendung zu lieben – wie anders könnte ein Maler seines Formats seine Kunstwerke nur für den Augenblick des Betrachtens schaffen, ganz so, als male er auf Sand. So verblüffend dieser Akt der Bescheidenheit ist, so dankbar ist der Betrachter, dass er auch haltbare Materialien verwendet, nämlich Öl auf Leinwand, und immer wieder rasch hingeworfene Pinselzeichnungen auf Papier. Es ist die scheinbar endlose Wandelbarkeit des Pinselstrichs des Malers Roman Scheidl, die den Betrachter  beglückt und ihm zeigt, dass die Welt mehr als ein abgekartetes Spiel ist, das der Gewinnmaximierung einzelner Profiteure dient, sondern dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Diese Grenzenlosigkeit überkommt uns wie ein Glücksschauder: ja, es gibt ihn, den weiteren Horizont, zu dem wir aufbrechen wollen.

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